Sonntag, 30. Oktober 2011

Igel Krummbeins Reise in die Welt




Dem Igel Krummbein gefiel es daheim nicht mehr Darum sprach er zu seiner Frau: „Ich bin schon so alt, aber in meinem Leben noch gar nicht weit fortgekommen. Ich werde mir mal die Welt ansehen." Mama Igel kicherte:"haha ha" und sagte: "Du wirst nicht weit kommen“.

Am frühen Morgen — ach nein, am späten Abend — wachte Meister Krummhein auf und schlüpfte aus seinem Gebüsch am Zaun heraus. Er ging immer seiner Nase nach, ganz vorsichtig kroch er durch den Zaun und trippelte hinüber in den nächsten Garten. Er schnupperte und schnupperte mit dem schwarzen Näschen überall am Boden hin  und kam endlich an einen grossen Erdhaufen. Hier machte er halt.  Er wühlte und wühlte. Was es da zu schmausen gab! Würmer, Schnecken und noch mehr. Als sich unser Vielfrass toll und voll gefressen hatte, musste er ein bisschen ausruhen.

Da raschelte etwas durchs Gras. Der Igel hörte es gleich und dachte: Wohl ein Fuchs? Nein, bloss ein Hund. Na, der Tolpatsch kann mir nichts tun.
Der Igel blieb stehen und rollte sich zusammen, dass er aussah wie eine Kugel. Den Kopf zog er ein nicht einmal die Beine warnen zu sehen. Der Igel zuckte sieh nicht. Bello — so hiess der Hund riss die Augen auf, bellte den Igel laut an, machte das Maul weit auf, schoss auf ihn los und schnapp - wollte er den Igel tot beissen -   „Au, au!“ Die Stacheln vom Igel stachen wie Spiesse dem Hunde in die Schnauze. Die blutete nun. Bello hatte genug. Er zog den Schwanz ein, machte ein grimmiges Gesicht und nahm aus lauter Angst reissaus.

Hernach wickelte sich Igel Krummbein wieder langsam auf und bummelte gemütlich weiter. Wie er wieder ein Stück fortgehumpelt war, glänzte etwas wie ein grosser, blanker Spiegel vor seinen Augen. Der Igel stutzte. Ein Teich kam ihm in die Quere. Der Igel wollte nun über das Wasser. Aber das Schwimmen ist nicht leicht. Zum Durchwaten waren seine Beine zu kurz.
Da musste er weiter, immer weiter  gehen am Wasser hin. Er merkte gar nicht, dass er in einem fort bloss um den Teich herum marschierte. Immer schimmerte und flimmerte ihm das viele, viele Wasser vor seinen Augen. Es wurde ihm ordentlich schwindelig. Da bekam er die Sache satt und dachte: Wenn weiter nichts als Wasser zu sehen ist, da wird die Welt zu Ende sein. Du kehrst um.

Und das tat er auch. Bald fand er den richtigen Weg nach Hause. Er musste sich sputen, da es schon etwas Tag wurde und der Gickelhahn bald krähen wollte.
Meister Krummbein kam vom seiner grossen Reise ans ausser Atem wieder daheim an. Seine Frau lachte ihn tüchtig aus und sagte: „Schon wieder da?“ der Herr Igel brummte etwas vor sich hin, das man nicht verstehen konnte. Die Beine taten ihm vom vielen Laufen so weh und die Füsse waren so wund, dass er gleich In seinen Schlupfwinkel kroch und von seiner Weltreise ausruhte.

Als er von seinem langen Schlafe erwachte, fing er an, seiner Frau alles haarklein zu erzählen, was er unterwegs erlebt hatte. Wie er von dem grossen, tiefen Wasser sprach, da war seine Frau froh, dass er nicht hineingeplumst war.



 Von Emil Zeissig aus Sachsen um 1930


Donnerstag, 27. Oktober 2011

Weisheit der Igel

"Gegen das Kleine stachlig zu sein, ist eine Weisheit für Igel... "
c: Friedrich Nietzsche

Montag, 24. Oktober 2011

Der philosophische Storch







Ein Storch grübelte viel über die im Reiche der Vögel bestehende Ungleichheit. Ihn ärgerten die Enten, die im schmutzigen Tümpel unter ihm lebten, die Adler, die auf den wilden Felsen horsteten, und die Nachtigallen, die im Gebüsch ihre Nester bauten. Endlich kam er zu dem Schluss, dass die Erziehung allein die Ursache dieser Missstände sei. So flog er denn umher und bat sich von der Ente, dem Adler und der Nachtigall je ein Ei aus, um wie er sagte, einen für die Vogelwelt wichtigen Versuch zu machen, durch den die Gleichheit aller fliegenden Geschöpfe gesichert würde.

Dann brütete er seine Pflegebefohlenen sorgfältig aus. Und siehe: das kleine Entchen war kaum flügge, so flog es davon, stürzte sich kopfüber in den Tümpel und begann lustig zu schwimmen, der kleine Adler flog hinauf in die Felsen und kam nicht wieder, die Nachtigall aber starb, denn sie konnte die Storchnahrung nicht vertragen.

Der Storch klapperte nun in tiefen Gedanken. Dass er sich geirrt haben könne, gab er nicht zu, war er doch ein weiser Mann, und so sagte er, unbelehrt durch den Misserfolg seiner genialen Probe: »Das Prinzip ist dennoch richtig, ich muss nur nach einer neuen Methode suchen. Ehe nicht alle Vögel Störche sind, ist ein Fortschritt im Vogelreich unmöglich.«

So sinnt der Philosoph heute noch auf die neue Methode.

E.T.

Freitag, 21. Oktober 2011

Goetes Libelle

"Es flattert um die Quelle  - Die wechselnde Libelle,
Mich freut sie lange schon; - Bald dunkel und bald helle,
Wie der Chamäleon, - Bald rot, bald blau,
Bald blau, bald grün; - O dass ich in der Nähe
Doch ihre Farben sähe!
Sie schwirrt und schwebet, rastet nie!
....... "
c: Johann Wolfgang von Goethe

Montag, 17. Oktober 2011

Woher der Fliegenpilz seine weissen Flecken hat


Früher hatten die kleinen Pilzkinderchen keine Hütchen auf dem Kopf. Da wurden sie immer pitsche- patsche- nass, wenn sie im Regen in den Wald liefen. Und das taten sie doch so gern; denn da war das Moos so schön grün und frisch und die Pfützen im Wald so schön tief, dass sie tüchtig drin herumplanschen konnten. Und die Pilzmütterchen hatten gesagt, wenn man in den Maienregen lief, dann würde man gross, und sie wollten doch auch gern gross werden.

Aber einmal hatte es so fürchterlich geregnet, und sie waren so durchnässt, dass sie alle den Schnupfen kriegten und ins Bettchen mussten. Da beschloss Pilzmütterchen, ihren Kindern zu Weihnachten schöne Hütchen zu schenken. Und richtig, als Weihnachten kam, fanden sie alle auf ihren Plätzen Hütchen. Ei, wie sie sich da freuten und stolz waren! Champignon hatte eine weisse Kapuze mit rosaseidenem Futter bekommen, Mufferon ein kleines, flaches, graubraunes Hütchen. Baumschwamm setzte sich gleich seine breite Schirmmütze auf und lief zu seinem Freund Weidenstrunk, um sie ihm zu zeigen. Hallimasch stülpte sich eine runde braune Lederkappe auf und rannte, was er konnte, hinaus auf die Chaussee, um sie dort von allen, die vorübergingen, bewundern zu lassen. Reitzker schmückte sich mit einem flachen, breiten Hut mit Fransen und gelblichem, gefältelten Futter, und Steinpilz stolzierte gravitätisch mit seinem glänzenden braunen Helm einher.

Nur einer war nicht zufrieden mit seinem Hut, das war Herr Fliegenpilz. Das war überhaupt so ein Schlingel, der immer in giftigem Neid sich erbosen konnte, wenn seine Geschwister Spielzeug oder andere Sachen bekamen, die er nicht besass. Der hatte einen schönen weissen Hut bekommen, aber er war ihm nicht schön genug; ja Pfifferling, der kleine lustige Schelm mit seinem keck aufgekrempten Hütchen, oder Morchel mit seiner schwarzen Tscherkessenmütze, die hatten es viel schöner. Wenn er doch auch einen bunten Hut hätte! Da kam ihm ein guter Einfall. Dort im Walde wohnte ja sein Freund, der Zwerg Klerel, der jedes Jahr im Frühling all die Blumen und im Herbst all die Blätter im Walde bunt anzustreichen hatte. Zu dem wollte er gehen und sich seinen Hut färben lassen.
Und richtig, heimlich schlüpfte er fort und suchte Klerel auf. Leider traf er ihn nicht zuhause an. Aber, was schadet es? Da standen ja seine bunten Farbentöpfe – gelb und grün und blau und braun und lila und rot! Ja, rot, das wäre fein! Einen roten Hut hatte kein anderes Pilzkind. Also, was machte er? Flugs den Hut vom Kopfe und hineingetunkt in den roten Farbtopf und dann flink wieder nach Hause! –

Als er nach Hause kam, wollte gerade Pilzmütterchen mit ihren Kinderlein spazieren gehen. Natürlich, da musste er mit. Stolz setzte er seinen roten Hut auf, und alle sagten: „Ah!“ und „Oh!“, als sie ihn sahen. Nur Pilzmütterchen sagte gar nichts, aber sie dachte in ihrem Herzen, dass das doch gar nicht schön vom Fliegenpilz sei.

Kaum waren sie ein halbes Stündchen gegangen, da fing es an zu regnen. Hei, wie sich die Pilzkinderchen freuten, dass sie Hütchen auf den Köpfchen hatten und nun nicht nass wurden! Aber sie kehrten doch lieber wieder um. Zuhause angekommen, setzten sie ihre Hüte ab, um sie an den Nagel zu hängen, zum Trocknen. Auch Fliegenpilz nahm seinen Hut herunter – aber, o weh, wie sah der aus! Die Farbe war noch nicht trocken geworden, als er ihn in der Geschwindigkeit aufgesetzt hatte, und überall, wo ein Regentröpflein darauf gefallen war, war ein weisser Fleck!
Als er das sah, fing er an, bitterlich zu weinen; so ärgerte er sich. Dann warf er wütend seinen verdorbenen Hut in die Ecke und wollte sich hinaus schleichen. Denn eigentlich schämte er sich vor den anderen Pilzkinderchen. Aber Pilzmütterchen fragte: „Siehst du, wärst du hübsch zufrieden gewesen mit deinem Hute, so hättest du nun einen schönen, sauberen, weissen Hut. Nun musst du immer den roten Hut mit den weissen Flecken tragen!“

c: Paul Blau

Sonntag, 16. Oktober 2011

Glückspilze

"Glückspilze sind für Pechvögel ungeniessbar,
meistens sogar sehr giftig..."
c: Ernst Ferstl

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Märchen vom Regenbogen

 Vor langer Zeit begannen die Farben dieser Welt zu streiten. Jede behauptete von sich, sie sei die Beste, die Wichtigste, die Nützlichste, die Beliebteste!

Grün sagte: Klar bin ich die Wichtigste! Ich bin das Symbol für Leben und Hoffnung. Ich wurde gewählt für das Gras, für die Bäume und die Blätter. Ohne mich würden alle Tiere sterben. Schaut euch doch in der Landschaft um und ihr werdet sehen, dass ich in der Mehrheit bin!

Blau unterbrach: Du denkst nur an die Erde! Aber betrachte doch den Himmel und das Meer! Es ist das Wasser, das die Basis für alles Leben ist und von den Tiefen des Meeres in die Wolken hinaufgezogen wird. Der Himmel gibt Raum, Frieden und Unendlichkeit. Ohne meinen Frieden wärt ihr alle nichts!

Gelb lachte in sich hinein: Ihr seid alle so ernst. Ich bringe Lachen, Fröhlichkeit und Wärme in die Welt. Die Sonne ist gelb, der Mond ist gelb, die Sterne sind gelb ... Eine Sonnenblume bringt die Welt zum Lächeln. Ohne mich gäbe es keinen Spass!

Orange begann als nächste ihr Lob zu singen: Ich bin die Farbe der Gesundheit und der Erneuerung. Ich mag rar sein, aber kostbar, denn ich diene den Bedürfnissen menschlichen Lebens. Ich überbringe die wichtigsten Vitamine. Denkt an Karotten, Kürbis, Mangos und Papayas. Ich hänge nicht ständig herum, aber wenn ich den Himmel zum Sonnenauf- oder -untergang färbe, ist meine Schönheit so eindrucksvoll, dass niemand einen Gedanken an einen von euch verschwendet.

Rot konnte es nicht länger aushalten und rief aus: Ich bin der Herrscher von allen! Ich bin das Blut - Lebensblut! Ich bin die Farbe der Gefahr und der Tapferkeit. Ich bin bereit für etwas zu kämpfen Ich bringe Feuer ins Blut. Ohne mich wäre die Erde so leer wie der Mond. Ich bin die Farbe der Leidenschaft und der Liebe, der roten Rose und der Mohnblume.

Purpur erhob sich zu ihrer vollen Größe: Sie war sehr gross und sprach mit Pomp: Ich bin die Farbe der Fürsten und der Macht. Könige, Häuptlinge und Bischöfe haben immer meine Farbe gewählt, weil ich das Symbol für Autorität und Weisheit bin. Niemand zweifelt an mir, man hört und gehorcht.

Schließlich sprach Indigo , viel leiser als all die anderen, aber mit ebensolcher Bestimmtheit: Denkt an mich. Ich bin die Farbe der Stille. Ihr nehmt mich kaum wahr, aber ohne mich würdet ihr alle oberflächlich werden. Ich repräsentiere Gedanken und Betrachtung, Zwielicht und tiefes Wasser. Ihr braucht mich für das Gleichgewicht und für den Kontrast, für das Gebet und den inneren Frieden.

Und so fuhren die Farben fort zu prahlen, jede von ihrer eigenen Erhabenheit überzeugt. Ihr Streit wurde lauter und lauter. Plötzlich war da ein heller Blitz und grollender Donner. Regen prasselte schonungslos auf sie nieder Die Farben drückten sich voll Furcht eine an die andere, um sich zu schützen.

Inmitten des Lärms begann der Regen zu sprechen: "Ihr dummen Farben streitet untereinander und versucht die anderen zu übertrumpfen! Wisst ihr nicht, dass jede von euch für einen ganz bestimmten Zweck geschaffen wurde, einzigartig und besonders? Reicht euch die Hände und kommt zu mir."
Sie taten wie ihnen geheissen wurde, kamen zusammen und reichten sich die Hände .
Der Regen fuhr fort: Von nun an, wenn es regnet, erstreckt sich jede von euch in einem grossen Bogen über den Himmel, um daran zu erinnern, dass ihr alle in Frieden miteinander leben könnt. Der Regenbogen ist ein Zeichen der Hoffnung auf ein Morgen. Daher, immer wenn ein guter Regen die Welt wäscht und ein Regenbogen am Himmel erscheint, erinnern wir uns daran, einer den anderen zu würdigen.
von Shiralee Cooper

Montag, 10. Oktober 2011

Regenbogen

"Der Regenbogen entschädigt einen gewöhnlich dafür,
dass man im Regen stehen muss... "
c: Paul Wilson

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Wer klaut, kommt in den Knast



Die Elster leidet an dem Zwang zu klauen  schon ihr Leben lang.
Ob gold es oder silbern blitzt, was wertvoll scheint, das wird stibitzt.

Ist was nicht niet- und nagelfest, die Diebin schleppt es in ihr Nest.
Dem Drang kann sie nicht widerstehn: Sie findet Glitzerkram zu schön.

Zuerst späht sie und schleicht sich an, schnell greift sie zu, verschwindet dann.
Doch ihr Gesicht bleibt unentdeckt mit einer Kappe gut versteckt.

Da knackst der Ast, bricht bei der Last, so wird die Gaunerin gefasst.
Schwarz-weis gestreift ist ihr Anzug denn jetzt sitzt sie im Strafvollzug!

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Und die Moral von der Geschicht?

Dumm ist, wird man als Dieb erwischt!
Wer immerzu von andren klaut, wird seiner Freiheit selbst beraubt.

c: Sean-Andrew Kollak